Dienstag, 11. November 2014

Rassistischer Angriff auf Asylsuchende in Anklam


In Anklam wurden gestern drei Asylsuchende, von einer Gruppe aus 8 Personen, zuerst fremdenfeindlich vollgepöbelt und dann auch körperlich angegriffen. Die drei Asylsuchenden mussten im Krankenhaus ambulant behandelt werden. Eines der Opfer wurde nach Informationen des Nordkuriers, beim Versuch die zurückgelassenen Fahrräder zu holen, von einem Fahrzeug verfolgt und konnte sich nur durch einen Sprung zur Seite retten.

Bereits im April 2012, wurden nichtrechte Jugendliche auf dem Anklamer Marktplatz von ca. 12-15 Nazischlägern überfallen. Der Angriff fand am frühen Abend, bei Tageslicht statt. Die Täter waren zum Teil vermummt. Ein 29-jähriger wurde damals schuldig gesprochen zwei junge, weibliche Personen mit einem sogenannten Totschläger geschlagen zu haben, sowie eine weitere, männliche Person ins Anklamer Lilienthal-Center verfolgt und ebenfalls körperlich angegriffen zu haben. Der Täter wurde zu 10 Monaten auf Bewährung und 750 € Krankengeldszahlung verurteilt. Gegen eine weitere Person, die sich ebenfalls als Angreifer beteiligte, wurde das Verfahren, gegen eine Zahlung von 500€ eingestellt.



Anfang Mai 2012 gab es dann ähnliche Szenen im Anklamer Stadtbild zu sehen. Neonazis fuhren fast täglich ihre Runden, waren ständig im Stadtbild präsent. Es gab wieder Übergriffe auf nichtrechte Jugendliche und Punks. Kleinere Personengruppen wurden auf Grund ihres Outfits von den Neonazis durch die Innenstadt gejagt. Weitere Personen wurden mit Knüppeln und Schlagringen angegriffen: Ein Opfer des Naziangriffs musste, nach Schlägen mit einem Straßenschild, mit blutenden Kopfverletzungen ins Greifswalder Klinikum eingeliefert werden und verlor zeitweise das Bewusstsein. Eine weitere Person wurde ebenfalls schwer verletzt.
In der Nacht vor den gewalttätigen Übergriffen, wurde ein Buttersäure-Anschlag auf den Demokratieladen in Anklam verübt.

Die rechte Szene in und um Anklam ist mit den Jahren, fast unbeobachtet, ständig angewachsen. Neonazistische Kader pflegen enge Kontakte zu freien Kameradschaften in den umliegenden Dörfern und Städten. Die Stadtverwaltung belässt es bei "Kein Ort für Neonazis in Anklam"-Schildern und Immobilien werden als Freiräume für rassistischen "Lifestyle" genehmigt, während die örtliche CDU ihre Arbeitspausen gerne mit den NPD-Abgeordneten der Stadt verbringt und sich am Kaffeetisch ganz sicher nur über den neusten Tratsch unterhält.
Auch die örtliche Polizei, darf sich auf die Schulter geklopft fühlen. Wenig erstaunlich, glänzten die Beamten fast immer mit lässiger Zurückhaltung, wenn es um die strafrechtliche Verfolgung von rechten Gewalttätern ging. Treffen von alternativen Jugendlichen in der Stadt, ging man dafür aber stets kräftig auf den Leim, versuchte sie zu kriminalisieren, erteilte Platzverweise. Der Polizei, sowie den anklamer Stadtvertretern ist es verschuldet, dass sich alternative Freiräume und Lebensweisen in Anklam nie richtig entwickeln konnten und warscheinlich auch nicht werden.

Und sei die rassistische Asylpolitik dieses Landes nicht schon Zumutung genug für Menschen, die hier versuchen ein neues Leben anzufangen, eventuell traumatisiert von ihren Erlebnissen auf der Flucht oder in ihrer Heimat. So lassen es sich manche, gewissenlose Schweine, nicht nehmen ihnen das Leben schwer zu machen. Ohne sie zu kennen. Nur weil sie vermeintlich fremd sind.

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